Der Browser wird 30! Aktuelle Herausforderungen und ein Blick in die Vergangenheit.

In Vibrant News by jeismann

Der Browser wird heute als selbstverständlich erachtet. Er hat jedoch eine lange Historie, bis er zu dem wurde, was er heute ist. Hier sind die wichtigsten Meilensteine der Browser-Geschichte.

Browser Meilensteine

1991 bekam das World Wide Web seinen allerersten Browser. Dieser hatte den naheliegenden Namen WorldWideWeb (später Nexus). Dies ermöglichte den ersten, leicht verfügbaren Zugang zur Online-Welt. Diese Welt bestand jedoch vornehmend aus Inhalten von CERN. CERN ist der Name des europäischen Forschungszentrums in GENF, dass das World Wide Web entwickelt hat.
Im Gegensatz zum WorldWideWeb, war Mosaic der erste Browser der Text und Bilder zusammen anzeigen konnte. Zudem war es der erste Browser, der relativ problemlos auf Windows-Computern lief. Der WorldWideWeb-Browser war nur unter dem Betriebssystem NeXTStep zugänglich. NeXT war ein Unternehmen, dass Steve Jobs nach dem Weggang von Apple 1985 gegründet hatte. Die Popularität von Mosaic hielt sich über mehrere Jahre und bildete letztlich auch das Grundgerüst für zukünftige Browser.
1994 stellte das skandinavische Unternehmen Opera den gleichnamigen Browser vor. Bis heute kann der Browser sich am Markt beweisen. Neben dem Internet Explorer, dessen 1. Version 1995 vorgestellt wurde, ist Opera der älteste Browser, der noch in aktiver Entwicklung ist und stetig mit neuen Funktionen versorgt wird.
Die Debüt-Version des Browsers erschien bereits 1994 und war der direkte Nachfolger von Mosaic. Er wurde auch größtenteils durch dasselbe Team entwickelt. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Version, kam Netscape Navigator 3, der das Internet zu dem bunten und lebendigen Ort machte, den wir alle kennen und lieben gelernt haben.
Microsoft brachte fast zeitgleich mit Netscape 3 seinen Internet Explorer 3 raus. Damit begann der erste Browser-Krieg. Zu diesem Zeitpunkt war die Qualität von Netscape zweifellos anerkannt. Doch schon bald überholte der Internet Explorer den Browser von Netscape. Im Gegensatz zu den Explorer-Versionen 1 und 2, hatte der Internet Explorer 3, durch die Integration zu Windows nämlich eine solide Nutzerbasis. Seinerzeit hat das Betriebssystem Windows 95 nämlich den Fokus auf das damals noch neue Internet und seine Möglichkeiten gelegt.

Quelle:

https://www.pcwelt.de/ratgeber/Browser-History__Die_10_wichtigsten_Meilensteine-Internet-7909354.html

https://support.microsoft.com/de-de/help/4026494/microsoft-edge-difference-between-legacy

Erst 2004 wurde der Open-Source-Browser Firefox 1.0 veröffentlicht. Bis dato war der Internet Explorer das Maß aller Dinge. Firefox 1.0 basierte auf dem Netscape Navigator und war bei Weitem nicht fehlerfrei und brauchte seine Zeit, um sich zu etablieren. Langsam, aber sicher mauserte sich Firefox zum beliebtesten aller Browser.
Steve Jobs, der schon mit NeXTStep das Unternehmen gründete, das das einzige Betriebssystem hervorbrachte, mit dem der allererste Browser (WorldWideWeb) kompatibel war, hat 2007 bei einem weiteren Browser-Meilenstein mitwirken können. 2003 wurde der Browser Safari vorgestellt, der 2007 auch für Windows-Rechner bereitgestellt wurde, sich aber auf Windows-Geräten nie durchsetzen konnte. Bei der mobilen Version sah es allerdings anders aus. Das erste Smartphone erschien 2007 und nach und nach wurde die Welt mit iPhones & iPads ausgestattet. Damit gewann der mobile Safari-Browser immer größere Akzeptanz.
Google heuerte eine Vielzahl von Ex-Firefox-Entwicklern an, um den bestmöglichen Code für einen eigenen Browser zu entwickeln. Schnell erlangte Google Chrome Popularität und überholte den Internet Explorer und Firefox auf dem Weg zum beliebtesten Browser. Chrome konnte mit Minimalismus und Schnelligkeit glänzen. Der drastische Steigflug ist bisher beispiellos.
An die glorreichen Zeiten zwischen 1996 und 2003 konnte Microsoft mit dem Internet Explorer nie wieder anknüpfen. Microsoft Edge soll dies ändern. Mit der Einführung von Windows 10, wurde nun standardmäßig Microsoft Edge als Browser auf Windows-Computern eingesetzt. Seit 2019 verwendet Microsoft Edge sogar einen großen Teil des Quelltextes von Google Chrome und steht dem Industrie-Standard somit in keiner Weise nach.

Wandel

In den letzten Jahren hat sich der Datenschutz auch im Online-Geschehen fest etabliert und ist spätestens seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Jahre 2018 nicht mehr wegzudenken. Insbesondere die Nutzung von Cookies in Verbindung mit personenbezogenen Daten werden genauer hinterfragt. Das Urteil vom EuGH am 01.10.2019 (Az. C-673/17) das ausdrücklich besagt, dass Cookies zu Werbezwecken nur mit aktiver Einwilligung gesetzt werden dürfen, bestärkt diese Tendenz. Auch die ePrivacy-Verordnung, die eine Ergänzung zu der DSGVO bieten soll, wird das Sammeln von personenbezogenen Daten weiter regulieren. Die Einführung war ursprünglich für 2020 geplant. Zurzeit ist die ePrivacy-Verordnung jedoch aufgrund von mangelndem Konsens zwischen den Mitgliedsstaaten der EU „auf Eis gelegt“.
Die Entwicklung Richtung Privatsphäre und Datenschutz geht auch an den Browsern nicht vorbei. Die bekanntesten Browser haben Ende 2019/Anfang 2020 grundlegende Updates veröffentlicht, um Datenschutzeinstellungen wesentlich zu verbessern.

Das Release von Chrome 80 erleichtert den Usern nun das Blockieren von Trackern. Zudem haben Drittanbieter erschwerte Voraussetzungen, durch das verpflichtende SameSite-Attribute, auf den Zugriff von gespeicherten Cookies der User. Damit wird das Tracking des Surfverlaufs nicht generell unterbunden, jedoch transparenter gestaltet. Die Dominanz von Chrome ist unbestreitbar. Doch die allbekannte Achillesferse von Chrome ist der Datenschutz. Denn mit Google steckt einer der größten Datensammler der Welt hinter dem beliebten Browser.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bescheinigt in seinen „Mindeststandards für sichere Web-Browser vom 25.06.2020 “ Firefox als einzigem Programm, alle aufgestellten Anforderungen, ohne zusätzliche Maßnahmen zu erfüllen. Schon seit September 2019 blockiert Firefox standardmäßig Tracker. Es werden jedoch nicht alle Tracker von Drittanbietern blockiert, sondern nur bestimmte aus einer „Disconnect-Liste“. Zudem blockiert der Tracker auch alle Cross-Site-Tracking-Cookies. First Party Cookies sind davon nicht betroffen.

Safari geht noch einen Schritt weiter. Seit Ende März 2020 blockiert der Apple-Browser nämlich standardmäßig sämtliche Third Party Cookies, komplett und ohne Einschränkungen. Sogar First-Party-Cookies sind betroffen und werden nach 24 Stunden automatisch gelöscht. Damit Safari-Nutzer dadurch nicht andauernd bei Webseiten ausgeloggt werden, werden Authentifizierung-Cookies beim Blocken nicht berücksichtigt. Dafür müssen die Cookies allerdings als “Secure” und “HttpOnly” markiert sein. Auch Session-Cookies sind davon nicht betroffen.

Ausblick

Was Safari bereits konsequent umsetzt, nämlich das radikale Blockieren von Third Party Cookies, hat Google erst für 2022 angekündigt. Das konsequente Blockieren von Cookies führt zwangsläufig zu mehr nicht personalisierter Werbung für den User und damit zu mehr Streuverlusten und steigenden Kosten für Werbungtreibende. Um dem entgegenzuwirken, legt Google nun vermehrt den Fokus auf die sogenannte “Privacy Sandbox“. Die “Privacy Sandbox” startete bereits im August 2019 und hat das Ziel, Targeting, personalisierte Werbung, Datenschutz und Privatsphäre zu vereinen. Der anfängliche Impuls war es, Adblockern mit einer adäquaten Antwort zu begegnen. Doch auch durch das zunehmende Verlangen nach Datenschutz und Privatsphäre gewinnt die Privacy Sandbox allgegenwärtig hohe Relevanz für Googles Unternehmungen.

Die Dringlichkeit des Datenschutzes kann man auch auf Publisher-Seite beobachten. Während die Verwendung einer Consent Management Platform mit dem IAB-Standard TCF 1.0 in der Vergangenheit nur schleppend voranging, ist die Bereitschaft augenblicklich mit dem neuen IAB Standard TCF 2.0 deutlich höher. Damit wird es in Zukunft schwierig, auf personenbezogene Daten für das Targeting von Ads zu bauen. Daher sind alternative Targeting-Technologien gefragter denn je. Von NetID, über kontextuelles Targeting bis hin zu Fingerprinting. Der Werbemarkt sucht nach geeigneten Lösungen, um gestärkt und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Einen Blueprint gibt es noch nicht und erst die Zukunft wird zeigen, welche Alternative zum Cookie sich durchsetzen wird.


Quellen:

www.pcwelt.de/ratgeber/Windows-1-bis-heute-Geschichte-von-Windows-9849474.html

www.de.wikipedia.org/wiki/WorldWideWeb

www.de.wikipedia.org/wiki/OPENSTEP1

www.drwindows.de/news/meinung-opera-seine-entwicklung-und-warum-ich-besorgt-bin

www.de.wikipedia.org/wiki/IPhone_(1._Generation)

www.computerbild.de/artikel/cb-News-Internet-Microsoft-Edge-Chromium-22718047.html

www.t3n.de/tag/microsoft-edge

www.heise.de/download/product/microsoft-edge-97196

www.computerbild.de/artikel/cb-News-Software-Google-Chrome-80-24808903.html

www.pcwelt.de/ratgeber/Firefox-Mehr-Sicherheit-Datenschutz-beim-Surfen-10789052.html

www.disconnect.me

www.theverge.com/2020/2/7/21121202/firefox-privacy-tools-private-network-browser-settings

www.pcwelt.de/ratgeber/Firefox-Mehr-Sicherheit-Datenschutz-beim-Surfen-10789052.html

www.onlinemarketing.de/unternehmensnews/google-third-party-cookies-blockieren-folgen

www.internetworld.de/technik/google/google-chrome-blockiert-third-party-cookies-2449869.html

www.adzine.de/2020/04/safari-browser-schafft-third-party-cookies-komplett-ab

www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-erklaert-Tracking-Cookies-den-Krieg-4330798.html

www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-Browser-Safari-blockiert-saemtliche-Third-Party-Cookies-4690467.html

www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eprivacy-verordnung-eu-kommission-will-neuen-vorschlag-machen-a-1299506.html

www.wbs-law.de/it-und-internet-recht/datenschutzrecht/eugh-cookies-aktive-einwilligung-c-673-17-45473

www.derstandard.de/story/2000113202098/warum-es-zeit-ist-von-chrome-auf-firefox-zu-wechseln

www.mediascale.de/tag/targeting

www.netid.de